Kurzgeschichte

Es war ein Samstag wie jeder andere. Meine Hausaufgaben hatte ich erledigt und anstehende Prüfungen für die ich lernen könnte standen auch nicht an. Immerhin waren in zwei Wochen Ferien. Draußen regnete es in Strömen und ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht einfach ohne ein bestimmtes Ziel im Internet zu surfen. Einfach aus purer Langeweile.

Ich fand ein lustiges Bild und schickte es an den Chat meiner eigenen Nummer. Dies machte ich öfter wenn ich Bilder speichern wollte. Als ich es dann abschickte viel mir etwas Sonderbares auf, denn aus irgendeinem Grund stand bei der Nachricht „Gelesen“. Was unmöglich sein konnte, da ich es ja an niemanden schickte und sonst nur „gesendet“ dastand. Ich dachte mir nichts dabei und vermutete, dass es an dem neuen Update der App lag. Trotzdem wurde ich ein bisschen von der Neugier angetrieben als ich im Chatfenster blieb und weiter nach oben scrollte, um zu checken ob es bei den anderen Nachrichten auch so war. Über jeder einzelnen Nachricht stand „Gelesen“. Ich war verwirrt. Weiter oben fand ich dann mehrere Selfies und Videos von mir. Jetzt war ich beunruhigt. Diese Videos und Selfies hatte ich nie gemacht. Ein beklemmendes Gefühl machte sich in mir breit. Ich kramte in meinem Kopf nach einer logischen Erklärung dafür, doch nichts klang realistischer als die Tatsache das ich in meinem eigenen Chat Bilder von mir fand die ich nie gemacht hatte. In mir brodelte eine Mischung aus Panik, Angst, Verwirrung und was mich noch mehr verwirrte, irgendwie ein Gefühl der Zufriedenheit, als hätte irgendwas in mir schon lange auf diesen Moment gewartet. Wie ein Roboter sah ich mir jedes einzelne Bild an. Kalter schweiß lief mir den Rücken herunter und ich bekam Gänsehaut. Es waren gruselige Bilder auf denen ich aussah wie ein Monster. Und sie waren alle aus einem komischen Winkel geschossen. Bei jedem Bild das ich mir ansah zitterte ich mehr. Plötzlich waren dort auch Videos auf denen ich mich scheinbar panisch umdrehte oder auf denen es aussah als würde ich gleich aus dem Fenster springen.  Auch hunderte von Sprachnachrichten in denen ich panisch um Hilfe flehte oder mit gruseliger Stimme ganz nah am Mikrofon sprach. Durch ein Gefühl der Machtlosigkeit wurde ich noch ängstlicher, wenn das überhaupt noch möglich war. Alles ging immer schneller. Foto, Sprachnachricht, Video, Foto, Sprachnachricht, Video. Ich swippte und scrollte meine Finger bewegten sich von ganz allein. Ich wollte das nicht ich wollte es mir nicht länger ansehen. Ich wollte all das vergessen, nicht erleben.  Tausende Fragen schossen durch meinen Kopf. Wer war das? Wo kamen die Fotos her? Wer las all diese Nachrichten? War das wirklich ich oder sowas wie ein Zwilling? Alles ging immer schneller, als würde man die Zeit nach vorne drehen. Und endlich legte mein Kopf eine Notbremse ein. Ich beruhigte mich. Ich drückte auf den Home Button und wollte mein Handy aktualisieren, aber es ging nicht. Es ging nicht! Ich kam nicht mehr aus dem Chatfenster heraus. Mein Puls schoss wieder nach oben. Die Fragen ratterten in Endlosschleife durch meinen Kopf.  Plötzlich schob sich mein Name, der über dem Chat stand, nach oben und darunter stand in kleinen Buchstaben das Wort „online“. Und bevor ich überhaupt emotional als sonst irgendwie reagieren konnte, hörte ich den kleinen Signalton den man hörte, wenn eine Nachricht versendet wurde. Ohne auf die Panik zu achten die mein Tun verhindern wollte klickte ich auf die angbelich von mir versendete Nachricht. Es war ein Bild von mir in genau diesem Moment.  Ich schrie. Denn auf dem Bild war ich nicht allein.

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